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Vier Verbesserungen - C# 8.0

Die Sprache C# ist in der Version 8.0 Teil des .NET Framework 2.0.
Verabschiedet als Standard von der ECMA im Juni 2005.

Hinweis: C# 2.0 wird zum Teil auch als C# 8.0 bezeichnet, weil es die zweite Version dieser Sprache ist. Der csc.exe-Compiler melde sich mit "C# 8.0".

Zentrale Neuerung im C# 8.0-Typkonzept gegenüber Version 7.0/7.1 sind:
- partielle Typen
- Generics
- Nullable Types

Weitere Neuerungen:
- ??-Operator
- Anonyme Methoden


Generische Klassen



Generische Klassen erlauben, dass ein Nutzer einer Klasse die Datentypen, die der Typ verarbeiten soll, vorgibt. Gernerics sind in anderen Spachen auch als Templates bekannt.

Die Definition einer generischen C#-Klasse für ein Tennis-Doppel zeigt Listing 1. Die Klasse Doppel erwartet, dass die Datentypen für die Mitglieder Partner1 und Partner2 bei der Instanziierung der Klasse vorgegeben werden. Eine gültige Instanziierung für ein gemischtes Doppel wäre z.B. Doppel<Mann,Frau> d1 = new Doppel<Mann,Frau>(m,f); während die Angabe von zwei Mann-Objekten in diesem Konstruktor zum Fehler führen würde. Den durch die Typparameter <Mann, Frau> näher spezifizierten Datentyp nennt man einen Constructed Type.

Ein wichtiges Ansatzgebiet für Generics sind typisierte Objektmengen. Während die .NET-Klassenbibliothek bisher nur untypisierte Objektmengen definiert hat, ermöglichen in .NET 2.0 die in dem neuen Namensraum System.Collections.Generic hinterlegten Klassen die einfache Definition von typisierten Objektmengen. Generics können auch auf andere .NET-Typen wie Strukturen, Schnittstellen und Delegaten sowie auf Methoden angewendet werden. Zunächst profitieren nur C# und Visual Basic .NET von den Generics.

namespace de.Tennis
{
  public class Doppel<PartnerTyp1, PartnerTyp2>
  {
   public PartnerTyp1 Partner1;
   public PartnerTyp2 Partner2;
   public Doppel(PartnerTyp1 Partner1,PartnerTyp2 Partner2 )
   {
   if ((Partner1.GetType().ToString() != Partner2.GetType().ToString()))
   { Console.WriteLine("Gemischtes Doppelt!"); }
   else { Console.WriteLine("Gleichgeschlechtliches Doppel!");
   }
   }
  }
}

Partielle Klassen


Die zweite wichtige Neuerung im Typkonzept sind partielle Klassen, denen man den Programmcode einer Klasse auf mehrere einzelne Klassendefinitionen aufteilen kann. Dabei können die Klassendefinitionen auch in verschiedene Datei existieren. Ein .NET-Sprachcompiler, der das Schlüsselwort partial unterstützt, setzt die einzelnen Definitionen zu einer gemeinsamen Klasse zusammen. Partielle Klassen erlauben, dass verschiedener Entwickler an einer Klasse arbeiten können bzw. das ein Teil einer Klasse automatisch durch ein CASE-Tool generiert wird, während andere Teile händisch codiert werden. Microsoft setzt partielle Klassen in Webforms und Windows Forms ein. Während in ASP.NET 1.0 Webforms durch Vererbung in einer ASPX-Klasse und eine Code-Behind-Klasse getrennt wurden, ist dies in ASP.NET 2.0 besser durch partielle Klasse gelöst. Auch der "Windows Form Designer Generated Code" einer Windows Form soll in eine separate Klasse (Formularname.Designer.cs) ausgelagert werden können; in der aktuellen Alpha-Version ist letztere Funktion aber noch nicht auffindbar.

Nullable Types


C# 2005 unterstützt Nullable Value Types durch ein besonderes Sprachkonstrukt: Durch ein Fragezeichen als Suffix eines Wertetyps in einer Typdeklaration sorgt der C# 2005-Compiler automatisch dafür, dass der Wertetyp in die generische System.Nullable-Struktur verpackt wird.

public void NullableTypes()
  {
   int a = 1;
   // Elegante Deklaration in C#
   int? b = 2;
  
   // a = null; // verboten!
   b = null; // Erlaubt

   // Explizite Deklaration
   System.Nullable<Int32> c = null;
   c = 100;

   Demo.Print(c.HasValue.ToString());
   Demo.Print(c.Value.ToString()); // Achtung: Geht nur, wenn c tatsächlich einen Wert hat!

   // Besser: "Null" abfangen
   Demo.Print ("b = " + ( b.HasValue ? b.Value.ToString() : "null"));

  }

??-Operator


Einziger neuer Operator in C# 2005 ist das doppelte Fragezeichen. ?? liefert den Wert der vorangestellten Ausdrucks, wenn dieser nicht Null ist. Wenn der Wert Null ist, wird der Wert des nachfolgenden Ausdrucks übergeben.
// Umwandlung eines Nullable Int in einen Int
int? d = null;
int e = d ?? -1;

// Behandlung eines Strings
string s = null;
Demo.Print ("s = " + (s ?? "(kein Inhalt)"));

Leider ist der Operator nicht hilfreich, wenn man einen nullable Zahlenwert ausgeben möchte, da beiden Operanden den gleichen Typ besitzen müssen.
// geht nicht :-( Demo.Print("d = " + (d ?? "null"));


Anonyme Methoden


C# 8.0 unterstützt außerdem anonyme Methoden, mit denen Programmmcode direkt einem Delegaten zugewiesen werden kann. Anstelle des Verweises auf eine entsprechende Ereignisbehandlungsroutine (benannte Methode)

   this.HelloButton.Click += new System.EventHandler(this.HelloButton_Click);

kann mit dem Schlüsselwort delegate nun direkt ein Codeblock (anonyme Methode) zugewiesen werden:

   this.HalloButton.Click += delegate { Console.WriteLine("Hallo Welt!"); };
   this.HalloButton.Click += delegate { Console.WriteLine("Hallo Holger!"); };

Der Windows Form-Designer unterstützt diese Form von Delegaten aber noch nicht. Die vierte und letzte Änderung an der Sprachsyntax von C# stellt das Schlüsselwort yield für die einfachere Entwicklung von Iteratoren in selbst definierten Objektmengen dar.

Weitere Änderungen


Mit einem zweifachen Doppelpunkt kann ein bei der Nutzung eines voll qualifizierten Klassennamens (System.Console) definiert werden, dass es sich dabei um einen globalen Namensraum handelt (::System.Console).

Standardisierung


C# 8.0 ist noch nicht bei ECMA und ISO standardisiert.

Weitere Informationen finden Sie in diesen Beiträgen:
.NET Framework 2.0